Lykischer Weg

Der Lykische Weg ist ein Weitwanderweg im Süden der Türkei. Er führt über eine Distanz von 509 km von Fethiye nach Antalya.

Es war November 19, Armin und ich hatten ein paar Tage frei, die wir mit einer Kombination aus Sonne, Wandern und Baden ausfüllen wollten. Da bot es sich an, ein paar Etappen des Lykischen Weges, der stets in Meeresnähe verläuft, zu begehen.

In Antalya herrschte spätsommerliches Klima, als wir ankamen. Wir konnten unser Einstandsbier abends in der Altstadt noch im Freien trinken.


Blick aus dem Hotelzimmer auf den Yachthafen von Antalya

Nach ausgiebigem Frühstücksbuffet in einem unglaublich billigen und guten Hotel - das Nachsaison-Preis-Leistungs-Verhältnis der Türkei ist unschlagbar - organisierten wir ein Taxi, das uns in ca. 30 min zum Ausgangspunkt der Wanderung beim Klettercamp Geyikbayiri bringen sollte.


Kletterer in Geyikbayiri




Geyikbayiri - Hisarcandir (31 km/1900 hm auf der Originalroute/wesentlich weniger auf der von uns begangenen Variante) Armin gab auf maps.me Hisarcandir, unser erstes Etappenziel ein: Knapp 31 km. Das entsprach genau den Angaben in unserem Führer, nur die Höhenmeter stimmten nicht. Aber das kommt bei maps.me öfter vor. Deshalb ignorierten wir dieses Detail. Anfangs fanden wir noch einige der spärliche gesäten Markierungen. Irgendwann blieben sie dann aber ganz weg. Der Weg entspracht absolut nicht unseren Erwartungen. Breite Güterwege und Asphaltstraßen. Kurzum: Häßlich. "Wenn das der Lykische Weg sein soll", kamen wir zum Schluß, "werden wir uns wohl bald nach einer Alternative umschauen müssen."

Irgendwann wurde zur Gewißheit, was wir schon bald vermutet hatten. Wir befanden uns nicht auf dem Lykischen Weg. Es war ein unglücklicher Zufall, daß die Entfernung der von maps.me gewählten Route ziemlich genau jener im Führer entsprach.


Breite Güterwege und Asphaltstraßen auf unserer ersten Etappe


In Hisarcandir fragten wir ein paar ältere Männer nach einem Laden. Fehlanzeige. In Hisarcandir gab's nichts zu kaufen außer ein paar Äpfel. Als wir uns ein wenig unterhielten, entfernte sich einer der Männer und kam wenig später mit einem Sack voll Brot zurück. Wir liefen noch ein wenig weiter und stellten an einem ruhigen Platz unser Zelt auf. Als Abendessen gab's Brot und Äpfel.

Hisarcandir - Göynuk (26 km/755 hm/1570 hm Abstieg/wenn man nicht, wie wir, einen Umweg macht)

Am folgenden Tag wanderten wir auf einer Asphaltstraße zu einem kleinen Paß. Dort führte ein schöner Wanderweg links abwärts, während uns maps.me auf der Asphaltstraße halten wollte. Noch einmal würden wir nicht auf den Trick hereinfallen, zumal der Wanderweg ganz gut zur Beschreibung im Führer paßte. Der Weg wurde immer steiler und schwieriger.

"Das ist für einen Weitwanderweg viel zu schwierig.", meinte Armin. "So etwas müßte im Führer erwähnt werden."

Wir staptfen den ganzen Weg wieder hoch. Nach 2 Stunden standen wir wieder auf dem Paß und folgten ganz problemlos der von maps.me vorgeschlagenen Route abwärts nach Göynuk. Kurzum: Die Beschilderung am Lykischen Trail ist scheiße.

Am Ende des Abstiegs landet man in einem Naturpark. Wenn man gleich die nächste Etappe anschließen würde, müßte man den Park gar nicht verlassen und könnte dem Fluß entlang wieder aufsteigen. Wenn man übernachten will, muß man aber raus und am nächsten Tag am Eingang Eintritt bezahlen.

Unweit des Parkeingangs gibt es das "Naturhaus", in dem die meisten Wanderer übernachten. Wir aber sind nicht nur zum Wandern in den Süden gefahren. Wir wollten ans Meer. Also wandern wir noch 4 km in die Stadt Göynuk.


Baden in Göynuk

In der Nacht begann es wie aus Eimern zu schütten. Der Göynuk Canyon, den wir auf der nächsten Etappe durchqueren hätten müssen, wurde wegen Hochwasser gesperrt. Der Weiterweg war uns damit versperrt. Wir blieben in Göynuk. Es regnete den ganzen Tag.

Der Canyon blieb auch am folgenden Tag gesperrt. Wir änderten kurzfristig den Plan. Wir nahmen den Bus nach Tekirova (ca. 15 min) und wanderten der Küste entlang nach Cirali (ca. 20 km/700 hm). Wir hatten den Tip von einem deutschen Ehepaar erhalten, das seit 20 Jahren in der Südtürkei Wanderurlaub machte. Anfangs lief man noch auf einem Güterweg, dann aber verschmälerte sich der zu einem traumhaft schönen Wanderweg, der - manchmal sehr steil - jeden Hügel überquerte. Zwischendurch machten wir eine längere Rast, um im warmen Meer zu schwimmen. Deshalb waren wir eigentlich in die Türkei gekommen: Wandern + Baden. Wir waren begeistert.


Für den nächsten Tag war die Wettervorhersage wieder miserabel. Unwetterwarnung für die gesamte Südtürkei. Der Chef unserer Pension, ein Trekkingguide, setzte sich zu uns an den Frühstückstisch: "Ich wandere gern bei Regen. Ich mag die heiße Sonne nicht. Aber bei dem Regen, der heute kommt, solltet ihr besser nicht loslaufen."

Es war noch trocken und die folgende Etappe von Cirali nach Adrasan sehr kurz (15 km/800 hm). Wir machten uns etwas hastiger als gewohnt auf den Weg. Ein schöner Wanderweg, der wieder Teil des offiziellen Lykischen Weges war, führte durch den Wald über einen kleinen Paß.

Im Abstieg erwischte uns das Unwetter dann doch noch. In Minuten waren wir naß bis auf die Unterhosen. Im Hotel konstruierten wir mit einer Wäscheleine und Haarföhn eine Trockenanlage für unsere Kleidung.


Mittagessen in Adrasan, nachdem der Regen aufgehört hatte. Ganz unten rechts: Start nach Karaöz am folgenden Tag. Die Straßen standen noch unter Wasser.


Der Höhepunkt unserer Wandertage war die folgende Etappe von Adrasan über das Kap Geldonia nach Karaöz (22 km/900 hm). Die meiste Zeit lief man auf schmalen Wanderwegen mit grandiosen Blicken übers Meer. Den ganzen Tag schien die Sonne. Zeitgleich mit unserer Ankunft in Karöz begann es auch wieder zu regnen. O.k., so paßt's.



Die nächste Etappe des Lykischen Weges, nach Finike, verläuft entlang einer Asphaltstraße. Das wollten wir uns nicht geben. Mit dem Taxi fuhren wir zurück nach Cirali, in die Pension, die wir vor 2 Tagen verlassen hatten. Von Cirali wollten wir auf der Route des Lykischen Weges zurück nach Göynuk wandern. Wir hofften, daß der Canyon nun wieder passierbar sein würde.

Cirali - Beycik (19 km/1170 hm): Viele uninteressante Güterwege, Asphaltstraßen...und eine miserable Markierung. Ohne maps.me keine Chance, den Weg zu finden.

Dafür war die darauf folgende Etappe von Beycik über Gedelme nach Göynuk Yaylasi (ca. 30 km/1700 hm), vor allem in der Bergregion des Tahtali, wunderschön. Danach wieder viele Güterwege.



Göynuk Yaylasi - Göynuk (19 km/ 500 hm//1330 hm im Abstieg): Wunderschöner Wanderweg. Als wir am Morgen in der Pension in Göynuk Yaylasi starteten, war noch nicht klar, ob der Canyon schon begehbar sein sollte. Am Vorabend, beim Abendessen, hatte ein Tourguide per Telefon bei unserer Wirtin angefragt, ob man durch den Canyon käme. Unsere Wirtin ganz pragmatisch: "Ich habe gerade zwei Gäste hier, die runter wollen. Wenn sie abends wieder zurückkommen, gebe ich dir Bescheid. Ansonsten geht's wohl."


Irgendwann standen wir dann wirklich vor der "Schlüsselstelle". Einer mußte die Wassertiefe auschecken. Einer war ich. Ich stieg ins Wasser. Es war gleich sehr tief. Ich schwamm auf die Gegenseite und versuchte es weiter unten nochmals.


Wir fanden einen Durchgang, wo das Wasser nur knietief war. (Normalerweise findet man hier nur ein Rinnsal, das man trockenen Fußes überqueren kann.



Der Weiterweg verlief wieder auf einem abwechslungsreichen Wanderweg.

Göynuk: Wir hatten noch einen Tag bis zum Rückflug. Wir quartierten uns um 50 €!!! in ein super-luxuriöses All-inclusive-Hotel ein. Was für ein Abschluß: Sonnenschein, 25° C, warmes Meerwasser, gefühlt kilometerlange Buffets und zwischendurch Bier mit Kuchen...

Trotz einiger Durchhänger - erste Etappe oder Cirali-Beycik - eine wunderschöne Spätherbst-Urlaubswanderung mit Spät-Aufstehen am Morgen, gemütlichen Frühstücksbuffet und Bier am Abend.

Ein perfekter Urlaub.








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