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Sicher im Sattel – EMTB Unfälle

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Probleme, die zu Unfällen mit E-Bikes (speziell E-MTBs) in den Bergen führen?

In 95% der Fälle: Mangelnde Fahrtechnik. In den tragischen restlichen Fällen Herz-Kreislauf-Versagen durch Überanstrengung. Mangelnde Fahrtechnik ist aber auf verschiedenen Ebenen (siehe zB https://www.derstandard.at/story/2000064248979/der-weg-ist-das-ziel-falsches-fahrverhalten-zerstoert-mehr-als) ein generelles Problem im MTB Bereich. Im Bereich Fahrtechnik Schulungen herrscht jedoch bei den spezialisierten Anbietern in Tirol seit Jahren eine grosse Nachfrage besonders bei jüngerem, bis mittleren Publikum, dasselbe gibt es aus Südtirol zu berichten. EMTB Kurse erfreuen sich aber nach zögerlichen Starts nun ebenfalls wachsender Nachfrage. Trotzdem ist es für die Anbieter nach wie vor eine Herausforderung, “Hobby- und Genussfahrer” die nicht in der sportlichen (E)MTB “Szene” verankert sind zu erreichen. Natürlich haben wir mit dem EMTB durch die neuen Nutzungsmöglichkeiten durchaus viele Genussbiker für die es das schönste ist am Wochenende gemütlich auf eine Alm zu biken, dort das Essen und die Aussicht auf die Berge zu geniessen, und gemütlich wieder den Berg auf einer Forststrasse herunterzuholen. Und das ist wunderbar. Dadurch steigt das Verständnis der Menschen für die Natur und für sportliche Betätigung. Allerdings ist dieser Nutzerkreis nicht in einer “Szene” organisiert, wie die sportlicheren MTB/EMTB Fahrer. In diesem sportlicheren Nutzerkreis gehören Fahrtechnik-Schulungen mittlerweile zum guten Ton. Man lässt sich gerne weiterbilden. Hier wäre aus meiner Sicht vor allem der Fachhandel gefragt, die Hobby/Genussfahrer-Kunden beim Kauf auf entsprechende Angebote hinzuweisen, und auch Hersteller wären gut beraten beim Kauf der Bikes Gutscheine für Fahrtechnik Schulungen anzubieten. Es kommt dann ja Mehrwert zurück: Der Kunde kann das Sportgerät geschult besser nutzen, das Risiko sinkt, und der Hersteller hat die Gewissheit dass seine tollen Fahrräder auch verantwortungsvoll, sicher und richtig genutzt werden. Mit dem Auto gehört es ja in Österreich auch zum guten Ton, mindestens einmal im Führerscheinleben eine Fahrtechnik-Schulung beim ÖAMTC (in D = ADAC) zu absolvieren, um so sich und sein Auto in kontrolliertem Umfeld bei extremeren Fahrsituationen besser kennenzulernen, und so Unfälle zu vermeiden. Warum also nicht beim EMTB/EBIKE?

Inwiefern ist gerade die Abfahrt ein Problem?

Die Abfahrt ist nicht mehr oder weniger ein Problem als beim klassischen MTB, und am EMTB sogar sicherer, da diese Bikes eine bessere Bodenhaftung haben. Ein leichtes MTB bricht bei Bremsungen viel früher aus, und ist schwerer zu kontrollieren. Wichtig ist jedoch immer eine gute Bremstechnik um die Bremsen der Bikes bei der Abfahrt nicht zu überlasten, und blockierende Reifen zu vermeiden. Zwar werden MTB/EMTB Bremsen immer standfester, aber nicht jeder Fahrer ist fahrtechnisch so versiert, auch in kniffligen Situationen richtig zu bremsen. Die Firma Bosch arbeitet hier aktiv seit ein paar Jahren an ABS Systemen für EMTBs/EBIKES, die auf Asphalt schon sehr gut funktionieren, auf einer Forststrasse mit Schotter aber die Systeme noch vor grosse Herausforderungen stellen, wie man es auch aus dem Motorrad-Offroad Bereich kennt. Was natürlich ein Problem sein kann ist, wenn leichte Fahrer mit schweren EMTBs ungewollt in Situationen kommen, in denen das höhere Gewicht von EMTBs spürbar wird. zB beim Überwinden von Hindernissen wie Bäumen durch Windwurf. Tipp: Akku ausbauen, Laufrad vorne oder beide, und gesondert über den Baum heben. Danach wieder einbauen. Da geht das schon leichter und das EMTB ist nicht mehr so schwer. Wir werden aber die nächsten Jahre eine Auffächerung der EMTBs in Klassen sehen: sehr leichte, leistungsarme EMTBs für sehr sportliche oder leichte Biker, mittelschwere EMTBs mit mittlerer Leistung und reduzierter Reichweite, und EMTBs wie wir sie heute kennen mit leistungsstar